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Jade Empire: Special Edition - Review

Rollenspiel Light



Jade Empire ist anders. Nicht (nur) aufgrund der Tatsache, daß es bereits vor Jahren für die XBox herauskam, und erst heute für den PC erschien und damit technisch etwa auf dem Stand von vor 2 Jahren ist. Technik spielt bei Rollenspielen keine allzu große Rolle. Aber was ist, womit die meisten Rollenspiele werben? Anzahl an Gegenständen, an Monstern, pure Landmasse, Attributswerte und so weiter.



Jade Empire setzt die Prioritäten völlig anders. Zuerst einmal, es gibt kein Inventar. Man findet keine Waffen, Rüstungen, Pinsel oder sonstiges. Lediglich Silber für Unterrichtsstunden und Juwelen, die in einem Amulett eingesetzt werden können. Was allerdings nicht heißt, es gäbe keine Waffen - die gibt es schon, bloß handelt es sich bei ihnen um "Kampfstile", die erst erscheinen, wenn man im Kampf den entsprechenden Kampfstil aktiviert.



Apropos Kampfstil: Das Charaktersystem von Jade Empire ist sehr einfach gehalten. Es gibt nur drei Attribute: Körper, Geist, Seele. Aus ihnen errechnen sich alle weiteren Werte - Geist beeinflußt direkt "Chi", was quasi das Mana in Jade Empire darstellt. Geist und Seele ergeben zusammen "Intuition", eine der Dialogfähigkeiten.


Zusätzlich gibt es noch die davon unabhängigen Kampfstile. Egal ob Magie, Waffe oder die verschiedenen Nahkampftechniken, alles läuft unter den Stilen. Sie unterscheiden sich deutlich. Und jeder Charakter braucht auch mehrere - so sind Geister zum Beispiel gegen Waffentechniken immun, Golems hingegen gegen so waffenlosen Nahkampf, und Dämonen gegen Magie.

Wie unterscheiden sich diese Stile? Nun, einerseits macht es schon einen Unterschied, ob man mit Feuer umherwirft (Magiestil), mit Schwertern zuschlägt (Waffenstil) oder Gegner mit Tritten und Schlägen bekämpft (Nahkampfstil). Andererseits unterscheiden sich diese Stile anders als in SW: Kotor2 auch visuell. Jemand, der die "Tausend Schnitte"-Kunst beherrscht, kämpft mit schnellen Schlägen, die wenig Schaden machen, dafür aber den Gegner in so ziemlich allen Aktionen unterbrechen. Der "Legendäre Schlag" hingegen arbeitet mit langsameren Tritten, die mehr Schaden machen und eine höhere Reichweite haben.



Ferner Osten


Worauf Jade Empire viel wert legt, ist die Geschichte. Die zudem in einem völlig ungewohnten Handlungsort spielt. Fernöstlich angehauchte Welten sind selten in PC-Rollenspielen. Es gibt keine Elfen, keine Orks - und auch der Drache nimmt eine ganz andere Rolle ein als in sonstigen Rollenspielen. Natürlich kann Bioware seine kanadischen Wurzeln nicht ganz abstreifen, und so wirkt das Spiel manchmal nicht hundertprozentig authentisch - was aber zum Glück nur selten auffällt.



Allerdings hat die wirklich stark im Vordergrund stehende Geschichte ihren Preis. Jade Empire ist in sieben Kapitel unterteilt - und echte Nebenaufträge finden sich allein bis einschließlich Kapitel 3. Danach braust das Spiel wie ein Sturm los, und es gibt kaum Gelegenheiten, zur Seite zu schauen. Die Geschichte selbst hält einige Wendungen bereit, umfaßt aber auch beinahe schon klassische Stereotypen. Ich möchte nichts verraten, daher kann ich nur sagen, der Hintergrund der Hauptcharakters hat mich unterwältigt.


Dafür sind die Landschaften und Städte, obschon sie ähnlich wie in Knights of the Old Republic nicht komplett frei begehbar sind, wunderschön gestaltet. Auch die Musikuntermalung ist traumhaft geworden. Zudem kann die deutsche Sprachausgabe nur gelobt werden - keine Schnitzer, und allesamt durchschnittliche bis gute Sprecher.



Flugmaschinen und Pistolen



Die Unsitte der Minispiele findet sich auch in Jade Empire, in Form eines Flugspiels: Man steuert aus der Vogelperspektive ein Fluggerät, und muß auftauchende Feinde abschießen. Es sieht sehr nach den berühmten Spielen aus der Commodore64-Ära aus, nur mit besserer Grafik. Zum Glück kann man sie auf sehr leicht stellen, und nahezu alle überspringen.



Begleitet und unterstützt wird der Held von einer ganzen Reihe verschiedener Charaktere - einem Einsiedler aus dem Sumpf bis hin zu einem gekündigten himmlischen Minister, der fortan als Händler fungiert, ist alles darunter. Inklusive das unvermeidliche von Dämonen besessene Mädchen.


Begleiten kann den Hauptcharakter allerdings jeweils nur ein Gruppenmitglied, das nicht direkt gesteuert werden kann. Dafür kann immerhin das Verhalten eingestellt werden - entweder die Gegner angreifen, oder den Spieler unterstützen. Unterstützung ist von Charakter zu Charakter unterschiedlich - so hilft der Einsiedler dem Spieler im Unterstützungsmodus, mehr Schaden mit Waffenstilen zu machen. Das besessene Mädchen hingegen läßt den Spieler Lebenspunkte regenerieren.



Die einzelnen Charaktere sind ziemlich gut ausgearbeitet, und verbergen auch einige Ostereier. So gibt es eine Szene, in der man andere Gruppenmitglieder steuert. Ein Blick in das Tagebuch von "Schwarzer Wirbelwind" zeigt dabei nicht die üblichen Aufträge, sondern... ganz eigene.


Auch die NPCs, denen man im Spiel begegnet, unterscheiden sich sehr. Von einem Minister Sheng, der immer in der dritten Person von sich spricht, bis hin zu einem Ritter aus Europa - der statt einem Schwert eine Pistole trägt.



Aber wie wird in Jade Empire gekämpft? Anders als in bisherigen Bioware-Titeln. Das Kampfsystem läuft vollkommen echtzeitbasiert ab, und verlangt volle Spielerkontrolle - egal ob Angriff, Block oder starker Angriff - der Spieler muß jeden Schlag (oder Block) per Hand auslösen. Dabei erinnerte es mich irgendwie an Street Fighter in 3D, sollten wem die alten Konsolentitel noch etwas sagen.

Um das direkt zu sagen: Das Kampfsystem ist nicht gerade Jade Empires Stärke. Es ist sehr hektisch, und leider kommt es gelegentlich vor, daß man mehr mit der Kamera kämpft als mit den Gegnern. Sobald man von mehreren Schurken in eine Ecke gedrängt wird, sieht es ganz finster aus.


Auch benötigt das Kampfsystem einiges an Einarbeitungszeit und Fingerfertigkeit. Wer Spiele wie eben das genannte Street Fighter mag, der wird es lieben. Viele andere wohl eher in den Leichtmodus schalten, wo man mit Dauerhämmern auf die Angriffstaste gewinnen kann. In den schwereren Modi ist mehr Geschick vonnöten - man muß starken Angriffen ausweichen (oder sie mit Konterangriffen unterbrechen), gegnerische Blöcke mit starken Angriffen durchbrechen und so weiter, und so fort. Die Vielzahl an Kampfstilen und Unterstützungsfähigkeiten sorgt diesbezüglich durchaus für Abwechslung.



Fazit


Was man Jade Empire auf alle Fälle zu gute halten muß ist die sehr schön gemachte Geschichte, die tolle Musik, viele sehr gut gemachte Aufträge und die gesamte Atmosphäre samt aller NPCs. Auch das Kampfsystem kann, sobald man sich einmal eingelernt hat, gefallen. Das macht Jade Empire durchaus zu einem empfehlenswerten Spiel - obwohl es kein Inventar gibt, und vieles sehr ungewöhnlich ist.


Leider gibt es ein kleines Problem: Wir vom RPGSchrein haben uns gesagt, ein Rollenspiel zum Vollpreis solle mindestens 20 Stunden dauern, sonst gibt es automatisch allerhöchstens die Budgetwertung.

Jade Empire fällt darunter. Nach meinem ersten Durchgang, bei dem ich jeden gefundenen Nebenauftrag erledigte und mit allen gefundenen Charakteren sprach, stand am Ende als Spielzeit 19 Stunden und 43 Minuten. Knapp vorbei ist auch daneben. Natürlich besitzt Jade Empire durch die verschiedenen Begleiter und Lösungswege einen gewissen Wiederspielwert, dennoch handelt es sich hier leider um einen der Fälle, wo die Zeit die Wertung bestimmt. Eine etwas höhere Spieldauer hätte gewiß zu einer besseren Wertung geführt. In dem Sinne:
Wertung: 2 von 5 (Budgetempfehlung)
Potential: 2 von 5 (Budgetempfehlung)
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