The same procedure als last year?
Dragon Age: Origins (folgend "Dragon Age" oder kurz "DA") ist ein bemerkenswerter Titel, allein schon aufgrund seiner Entstehungsgeschichte. Der verantwortliche Entwickler, Bioware, gelangte einst durch Rollenspielperlen wie der Baldur's Gate-Reihe (die PC-Fassungen, die Konsolenversion hatte damit nichts gemein) zu Weltruhm. Das ist nun ein knappes Jahrzehnt her. Dann kam Neverwinter Nights, welches in erster Linie einen völlig anderen Fokus hatte. Nämlich statt der Einzelspielererfahrung wurde in Neverwinter Nights sehr viel Wert auf die Mehrspielermöglichkeiten gelegt, und dem damit verbundenen Editor zum Erstellen eigener Inhalte. Im Single Player hingegen war es, verglichen mit den hohen Erwartungen als inoffizieller Nachfolger, in fast allen Bereichen enttäuschend.

Dann wurde Dragon Age angekündigt, vor beinahe sechs Jahren. Was veröffentlichte Bioware seitdem? Konsolentitel.
Eine ganze Menge, die später für den PC portiert wurden. PC-Spieler, die seit dem Abschluss der Baldur's Gate-Reihe auf vergleichbare Spiele warteten, hätten sich durchaus als im Regen stehen gelassen fühlen können. Ja, wäre da nicht die Ankündigung von Dragon Age gewesen, bei denen sich Bioware auf die alten Stärken aus der Baldur's Gate-Ära besinnen wollte.
Daraus wurde dann recht schnell "auf die Stärken und Lehren" aller Spiele. Dennoch sollte Dragon Age ein exklusiver PC-Titel werden. Dann kam Electronic Arts ("EA") als neue Publisher, und Dragon Age auch für die Konsolen. Konsolenentwicklungen sind nicht per se schlecht, erzwingen sie doch grundlegende Optimierungen, die allzu großen Hardwarehunger eindämmen und technische Komplettausfälle a la
Gothic 3 im Allgemeinen verhindern. Tatsächlich ist die Grafik von DA durchaus sehr eindrucksvoll, sofern man nicht genau hinschaut zum Beispiel
Neverwinter Nights 2 ("NWN2") überlegen und läuft dabei deutlich besser.
Aber man darf nicht so ganz genau hinschauen - Konsolen haben ein notorisches Speicherproblem durch ihren arg knapp bemessenen Systemspeicher, wodurch reine PC-Titel der letzten Jahre (
NWN 2,
The Witcher,
DSA Drakensang,
VtM Bloodlines) die besseren Texturen und die bessere Weitsicht haben. Allerdings ein Detail, mit dem sich Dragon Age in guter
Gesellschaft befindet.
In technischer Hinsicht ist für die allermeisten Benutzer eine paralelle Konsolenentwicklung von Vorteil. Problematisch wird es, wenn es spielerische Einschnitte gibt. Dragon Age wurde immer als die große Rückkehr zu den Stärken der PC-Plattform angekündigt. Einst exklusiv, dann als dominante Entwicklungsplattform. Eine gute Sache, nicht wahr? Die Frage ist bloß, stimmt es auch? Hier ist die Antwort so einfach wie unerwartet: Dragon Age ist ein Konsolenport.

Vielleicht nicht absichtlich, wohl aber in der Konsequenz. Eine ganze Reihe von spielerischen Details sprechen leider keine andere Sprache. Am deutlichsten ist dabei die an Baldur's Gate angelehnte und nur auf dem PC verfügbare Vogelperspektive. Sie ist an den gesteuerten Charakter gebunden, und zwar sehr eng (er muss, anders als in z.B. Baldur's Gate oder
NWN 2, immer im Bild sein - obschon am Rand reicht). Das führt dazu, wie man auf obigem animierten Bild sieht, dass die Sichtweite in der konsolenorientierten Ansicht gut doppelt so weit reicht. Fernkämpfer muss man daher in der eigentlich zur taktischen, an Baldur's Gate angelehnten, Ansicht sehr dicht an Gegner heranschicken. Weit näher als dies Gegner müssten. Oder man selbst, wenn man in die Mass Effect / Knights of the Old Republic / Jade Empire - Ansicht wechselt.
Toll.
Aber halt, es geht noch weiter! Mal davon abgesehen, dass regelmäßig "Achievement unlocked!"-Meldungen über den Bildschirm flimmern (z.B. wenn man den ersten Trank gebraut hat. Die erste Falle entschärft hat. Und so weiter), und extrem aggressiv im Spiel Werbung für die DLCs gemacht wird (eine Frechheit, die sich nicht einmal Bethesda getraut hat - und das ist immerhin das Unternehmen, das Pferderüstungen verkauft), nein, es geht auch spielerisch weiter.

Da ist das Inventar, welches direkt aus
Mass Effect kommen könnte: In PC-Rollenspielen gibt es im groben drei Inventarkonzepte; entweder gewichtsbasiert (abhängig von Stärke des Charakters, z.B.
Oblivion), größenbasiert (eine Blume nimmt weniger Platz weg als ein Plattenpanzer, z.B.
Might and Magic VI), oder ohne Grenze (z.B.
Gothic), oder kombinierte Ansätze aus Platz und Gewicht. Dragon Age hingegen hat nicht nur ein Gruppeninventar (ein Unding in jedem partybasierten PC-Rollenspiel), nein, dieses Gruppeninventar ist dann auch noch künstlich begrenzt. Letztendlich ist beinahe jedes Inventarsystem (mit der möglichen Ausnahme vom
Witcher) unrealistisch und künstlich, aber der in Dragon Age beschrittene Weg ist der typische Konsolenweg. Und zudem einer, der nicht das kleinste bisschen Sinn macht und damit die Stimmung zu stören vermag. So ausgedrückt: Rollenspiele ganz besonders brauchen etwas, dass sich "Suspension of Disbelief" nennt - das Eintauchen in die Welt. In dem Schuh drückt nicht nur die DLC-Werbung, die Achievements, nein, auch das Inventar.
Aber nicht nur das. Typisch für partybasierte Spiele ist, dass man seinen Begleitern Befehle geben kann. So auch in Dragon Age. Anders als aber z.B. in
NWN 2 haben sie das Gedächtnis eines Goldfischs (heißt man kann exakt einen Befehl geben, keine Reihe von Befehlen mehr), was die taktische Kampfsteuerung sehr aufwendig und umständlich macht.
Bin ich schon fertig? Leider nein. Anders als Mass Effect finden diesmal zwar auch unterwegs Gespräche zwischen den Gruppenmitgliedern statt, auch kommentieren sie manchmal die Situation, dies ist aber generell sehr rudimentär gehalten (sowohl im Vergleich zu Baldur's Gate 2, als auch zu NWN2), ohne Eingriffsmöglichkeit des Spielers.

Durch die Probleme der Ansicht, der Gruppensteuerung, die begrenzte Gruppeninteraktion, durch Eintauchsverhinderer wie DLC-Werbung, Achievements und das grottige Inventar erzeugt man kein Spielgefühl wie in Baldur's Gate 2. Was am ehesten noch an Baldur's Gate erinnert ist die Frage, ob man seine Party sammeln möchte zum Weiterreisen - Baldur's Gate
erfreute gerne mit einer sehr ähnlich formulierten Aussage. So bleibt nur vorab das traurige Fazit zu ziehen: Am nächsten spielerisch dran an der großen Legende ist nicht Dragon Age, sondern weiterhin das von Obsidian Entertainment entwickelte
Neverwinter Nights 2.
Nachdem das aus dem Weg ist, stellt sich als nächste Frage: Konsolenport hin oder her, wie gut ist denn Dragon Age abseits dieser Probleme?
Meinungskasten: Um diese Frage zu klären bedarf es weit mehr als einen einzelnen Wächter des RpgSchrein. Doch zunächst ein paar Ergänzungen meinerseits zu dem Gesagten.
Ich (elb 2000) selbst habe Baldur's Gate nie gespielt (ich habe immer nur meinem Vater zugeschaut) deswegen überlasse ich die vergleiche mit diesem Giganten lieber bg2408.
Zur Grafik muss ich leider sagen dass ich enttäuscht bin. SEHR Enttäuscht sogar. Während Texturen von Gesicht und Rüstung noch einigermaßen gut aussehen entdeckt man des öfteren matschige Texturen, die das Bild doch sehr stören. Das lässt sich auch nicht mit der Verwandschaft zu den Konsolen erklären: Wer ein Uncharted 2 auf der Playstation 3 sieht der fragt sich? Warum müssen die Texturen dann auf dem PC so schlecht aussehen? So etwas sollte man im Jahr 2009 nicht mehr sehen.
[Anmerkung von bg: Gewichtung Texturmenge vs. Texturqualität! Die Anzahl an Texturen ist bei Dragon Age hoch, was bei dem knappen Hauptspeicher dazu führt, dass die Qualität eingeschränkt werden muss. Selbst jahrealte PCs haben gut zehnmal mehr Speicher zur Verfügung, und vom Speicher hängt in erster Linie ab, wie groß das Produkt aus Texturmenge und Texturqualität werden kann.]
Immerhin sind dadurch die Systemanforderungen so niedrig, dass das Spiel selbst auf 4 Jahre alten Rechnern läuft.
Doch Grafik ist nicht gleich Technik. Die Animationen sind, besonders im Kampf, sehr schön und der Sound auch sehr gut. Nur leider ist die Vogelperspektive ziemlich nutzlos und nur dazu geeignet sich einen Gegner im gewühlen rauszupicken. Genauso wie das Anlegen von Taktiken. Es ist zwar erfreulich wenn sich die KI "programmieren" lässt aber wieso zur Hölle kann ich keine Befehlsketten mehr geben? Solch einen Anfängerfehler hätte ich Bioware eigentlich nicht zugetraut.
Positiv ist die Synchronisation, die überraschend gut besetzt ist, auch wenn man erstmal leicht irritiert ist wenn ein Doug Heffernan aus King of Queens in der Rolle des Anführers der Grauen Wächters spricht. Doch die Rollen sind gut besetzt und tragen einiges zu der Atmosphäre, bei die leider postwendent - wie bg bereits erwähnt hat - angekratzt wird.
[Anmerkung von bg: In der englischen Fassung begegnen einem dafür diverse Darsteller aus Star Trek: Voyager.]
Die Achievments sind ja noch zu verkraften (obwohl sich mir der Sinn verschließt. Auf den Konsolen werden die Erfolge wenigstens in einem Account gesammelt. Auf dem PC hat man jetzt überall mal hier ein Achievement, mal da ein Achievement. Das macht für mich keinen Sinn.) Aber die DLC Werbung ist absolut unverschämt. Hier mal ein Vorschlag an Bioware: Statt den Spieler mit DLC zu bombardieren und zu nerven, sammelt doch einfach eure DLC's zu einem Addon, wie es früher üblich war, und verkauft das. Von mir aus könnt ihr auch GTA 4-like DLC's rausbringen die das Spiel um 12 Stunden verlängern aber hört mit diesem Kleinkram auf.

Wenigstens scheint die Gruppeninteraktion sich in meinen Augen verbessert zu haben im Vergleich zu Mass Effect. Die Charaktere protestieren des öfteren mal bei einer Entscheidung meinerseits, etwa Templer Alistair wenn ich der Vorstehenden einer Kirche Gewalt androhe, was die Magierin Morrigan hingegen äußerst belustigend findet und positiv bestätigt. Doch macnhmal gibt es da Situationen, in denen man denkt: Warum sagt der nix oder wieso tut er das gegen seine Gesinnung? Ein Beispiel:
Man trifft in einer Taverne auf eine Gruppe Soldaten die den Hauptcharakter töten sollen. Die Soldaten erkennen euch und wollen euch angreifen. Eine Priesterin versucht die Situation noch zu beruhigen doch es kommt zum Kampf. Ihr besiegt den Kommandanten, der jetzt um Gnade winselt. Als ihr sagt ihr wollt ihn töten, widerspricht die Priesterin und meint, dass sie doch schon besiegt seien und das sie keinem den Tod wünsche (sehr gut!). Doch ihr pfeift auf ihr Geschwätz und greift die Soldaten an. Nun kämpft die Priesterin weiter an eurer Seite (!) und tötet mit euch die Soldaten (Was sollte das?).
[Anmerkung von bg: Die Situation ergibt nachträglich schon einen Sinn, mehr zu Verraten würde aber Spoiler nach sich ziehen.]
Solche Inkonsequenzen sind nicht gerade zuträglich für Atmosphäre und Beziehungen zu den Charakteren. Doch nun schalte ich wieder zurück zu bg2408, der gerade dabei ist, sich mit der Story zu befassen.
The same procedure as every year!
Bioware hat im Laufe der letzten Titel die Präsentationstechniken seiner Quests immer weiter optimiert, zu dem Punkt, wo aus
Mass Effect schon so eine Art interaktiver Film wurde. Diese Erfahrungen und Techniken finden sich auch in Dragon Age wieder - nicht nur, dass alle Dialoge voll vertont sind, der Spielverlauf ist gespickt mit Zwischensequenzen. Diese sind (anders als in Mass Effect) immerhin diesmal so gelungen, dass nicht mehr ständig der Wunsch aufflammt, jene abzubrechen.

Die Aufträge der eigentlichen Geschichte sind aber nicht nur sehr gut inszeniert, sondern auch abwechslungsreich und überaus liebevoll gemacht. Und auch mit innovativen Rätseln und Herausforderungen versehen. Manche davon sind kämpferischer Natur (wie tötet man einen Gegner, der sich immer in ein Gewitter auflöst, wenn man ihm zunahe kommt). Andere aber auch Futter für den Geist. So gibt es eine Sequenz, die in einer Reihe von skurrilen Traumwelten stattfindet - dort erlernt man eine Reihe von Formwandlungssprüchen, und muss jene jeweils in anderen Träumen einsetzen, um weiterzukommen (z.B. als riesiger Golem Türen zerhauen, oder als Maus durch kleine Löcher kriechen). Die Rätsel hier sind generell um Welten besser gemacht als die Höhlen in
Risen. Man merkt, die Entwickler von Bioware verstehen ihr Handwerk.
Die Präsentation der Geschichte sagt aber noch nichts über ihre Qualität aus - etwas, an dem sich
Mass Effect die Zähne ausbiss. Diesbezüglich schneidet Dragon Age besser ab. Auch das sagt noch nicht allzu viel aus, da sich Mass Effect einen erzähltechnischen Extremfehler beging und sich der Lächerlichkeit preisgab. Dies tut Dragon Age glücklicherweise nicht. Leider ist aber auch Dragon Age mit einigen gröberen Fehlern befleckt.

1. Große Plotwendungen konnte zumindest ich eine Meile vorab kommen sehen. Hier wurde allzuoft auf klassische Stereotypen zurückgegriffen, anders formuliert: Wer wie ein Verräter aussieht, der kann auch noch so sehr als Held dargestellt werden, er ist ein Verräter. Und schlimmer noch, eine ganze Reihe von Elementen fanden sich schon in den letzten mittlerweile drei Bioware-Titeln.
2. Erinnern wir uns an
Knights of the Old Republic: Nachdem die eigentliche Hauptgeschichte angefangen hatte, wurde der Spieler erst einmal zu vier anderen Orten geschickt, die nur bedingt bis gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hatten um die dortigen Probleme zu lösen. Das ist erzähltechnisch problematisch, da in der Zeit die Geschichte quasi auf Pause steht und die Handlung dort eher in ihrer Natur Nebenquests sind, die zu Hauptquests künstlich aufgewertet wurden.
Mass Effect zeigte dasselbe Bild. Und Dragon Age? Auch dort stehen nach dem Anfangsabschnitt vier Regionen offen, von denen nur eine in die Geschichte eingebunden ist. Da es sich anbietet, gerade diese ersten drei Gebiete zuerst zu machen, ist man erstmal nach anfänglichen vielleicht 5 Stunden anschließend 25 Stunden unterwegs und tut etwas ganz anderes.

Nun kann man sagen, über Dragon Age wurde verlautbart, es sei 120 Stunden lang. Dann können die ersten 30 Stunden durchaus so sein! Das würde dann sogar stimmen. Allerdings dauert ein Dragon Age-Durchgang, bei dem man einen Großteil der Nebenquests löst, um die 55 Stunden. Hm.
3. Mit durch die Verwendung von Stereotypen bedingt ist die Geschichte zwar sehr gut inszeniert, reicht aber nicht an die großen Legenden heran. Zu viel wird am Anfang verraten. Zu viel verläuft entlang klassischer (Bioware-)Muster. In dem Sinne verhält sich bisher Dragon Age zu Baldur's Gate 2 wie
Gothic 2 zu
Gothic 1: Am Anfang zuviel zu verraten ist eine wirklich schlechte Idee aus erzählerischer Perspektive. Blickt man auf die Geschichten von Rollenspielen zurück, die wirklich im Gedächtnis blieben, so haben sie alle eins gemein: Sie entfalteten sich erst im Laufe der Handlung. In Dragon Age hingegen nicht so - extrem viel wird im Anschluss an die Herkunftsgeschichte präsentiert, dann wird (dank des KotOR-Aufbaus) auf die Bremse getreten.

Apropos Herkunftsgeschichte: Ein Feature, das man guten Gewissens als Hype bezeichnen kann. Rein theoretisch sollte es wohl so sein, dass man anfangs verschiedene Hintergründe für den eigenen Charakter wählen kann, um anders in das Spiel zu finden. Wirklich viel blieb davon nicht übrig; es gibt nur sechs Herkunftsgeschichten, die sehr zwingend sind. Beispielsweise wenn man einen Menschen spielt: Magier haben keine Wahl als den Magi-Turm-Hintergrund, hingegen haben alle menschlichen Krieger und Schurken keine andere Wahl als den Adelsfamilienhintergrund. Immerhin sind die sechs Herkunftsgeschichten sehr gut gemacht, und in derselben Qualität wie die restliche Hauptquest umgesetzt. Auch wenn bei ihnen die Wahlmöglichkeiten doch arg begrenzt sind. Und später im Spiel wird er auch nur in wenigen Dialogen aufgegriffen.
Ein Rollenspiel hat aber nicht nur eine Hauptgeschichte, sondern auch eine Reihe von Nebenquests. Wie schneidet Dragon Age da ab? Nun, zuvorderst fällt auf, dass sie qualitätsmäßig schon hinter den Hauptaufträgen zurückfallen. Viele können im Vorbeigehen erledigt werden. Insbesondere neue Orte sind (außer bei den DLCs) da Mangelware und beschränken sich wenn dann auf winzige Wildnisausschnitte. Glücklicherweise sind sie deutlich besser als in
Mass Effect (was keine große Kunst ist), aber an
VtM Bloodlines reichen sie nicht heran - und an Baldur's Gate 2 schon einmal gar nicht. Der Unterschied zum einstmaligen Vorbild ist geradezu gravierend. Was bei Baldur's Gate 2 die Nebenquests waren, sind in Dragon Age (zumindest anfangs) die Hauptquests.

Allerdings, damit da keine Missverständnisse aufkommen, die meisten Nebenquests in Dragon Age sind durchaus in Ordnung - mal sind es durchaus interessante Rätsel, mal muss man mit sehr eigentümlichen Charakteren umgehen (z.B. einem reimenden Baum und durchgedrehten Einsiedler), manchmal aber natürlich auch simples Verscheuchen von Banditen. Sie sind also letztendlich gute Durchschnittskost und treten kontinuierlich im ganzen Spiel bisher auf. Und das ist heutzutage, wenn man sich so
manche anderen Titel anschaut, auch schon viel Wert.
Schuhe für alle!
So, genug gemotzt. Kommen wir zur wirklich interessanten Frage, nämlich wie sich Dragon Age spielt. In (leichter) Rückbesinnung auf Baldur's Gate handelt es sich bei Dragon Age um ein partybasiertes Rollenspiel. Man erschafft sich zu Beginn sein Alter Ego, bei dem (nebem dem Geschlecht) zwischen drei Rassen (Menschen, Elfen, Zwerge) und drei Klassen (Krieger, Magier, Schurke) gewählt werden kann. Zudem der eigene Charakter in gewissen Grenzen im Aussehen angepasst werden kann.

Sowohl die Charaktererschaffung als auch das zugrundeliegende Charaktersystem ist sehr einfach geraten. Nicht ganz so einfach wie z.B. bei
Jade Empire (oder, ironischerweise, Baldur's Gate), aber ganz weit von der Komplexität eines
Neverwinter Nights 2 entfernt. Ein paar Punkte auf genretypische Attribute, die Auswahl zwischen ein paar Talenten (z.B. Überzeugen, Tränke brauen, etc) und Kampffähigkeiten bzw. Zaubersprüchen, das war es schon.
Jedenfalls auf den ersten Blick. Ähnlich wie Baldur's Gate (2) bringt Dragon Age trotz augenscheinlich einfachem Charaktersystem durchaus eine beachtliche Tiefe ins Spiel. Es gibt eine Reihe von Kombinationen, die zu interessanten Resultaten führen. Obschon dies zugegebenermaßen in erster Linie für die Magier gilt - die Spezialangriffe der Kämpfer und Schurken sind zwar auch nett, aber die größten Gemeinheiten hält die Zauberei bereit. Damit das aber nicht falsch verstanden wird: Trotz einer ganzen Reihe von Sondertaktiken wie z.B. Gegner auf fettigen Böden locken und jene dann per Feuerball entzünden, kein einziger Kampf in Dragon Age kommt an die epischen Magierduelle von Baldur's Gate 2 heran.

Möglichkeiten zum Klassenwechsel gibt es nicht - es können aber, per Zusatzausbildung, im Laufe des Spiels neue Fähigkeiten erworben werden (z.B. stehen Magiern "Weiterbildungen" zum Gestaltwandler, Geistheiler, Zauberkrieger oder Blutmagier offen). Allerdings kann kein Charakter alles, so können nur Magier zaubern, und niemand außer Schurken kann Schlösser öffnen. Da kommt die Party ins Spiel: Bis zu drei weitere Charaktere können den Spieler begleiten und beistehen.
Hier zeigen sich sowohl die großen Stärken wie auch die ebenso einige der gröberen Schwächen von Dragon Age. Jedem Charakter kann eine Reihe von Taktiken mit auf dem Weg gegeben werden, die weitaus situationsspezifischer sind als alles, was man bisher so kannte. Beispiele wären "wenn weniger als 50% Leben, dann Heiltrank schlürfen!" oder "wenn von Gegnern umzingelt, Spezialangriff "Wirbelwind" einsetzen!" oder auch "wenn in schweren Kampf, dann in Berserkermodus verfallen!" - damit können eine ganze Reihe von Abläufen automatisiert werden, und eine ganze Reihe an Mikromanagement wird unnötig. Durch die recht genauen Angaben verhalten sich die Gruppenmitglieder deutlich cleverer als in
Neverwinter Nights 2, wo bei eingeschalteten KI-Optionen sich ein mächtiger und gut ausgestatteter Druide gerne mal in einen wehrlosen Dachs im Kampf verwandelte, oder den Säuresturm auf eine Ratte fernab vom Kampfgeschehen entfesselte. Sowas passiert in Dragon Age nicht - außer man gibt es genau so vor. Dummerweise wurde dafür, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit zu Befehlsketten geopfert. Keine gute Idee.

Auch haben die Partymitglieder alle ihren eigenen Charakter - nicht ganz so ausgefeilt wie in
Neverwinter Nights 2, und weit von einstigen Baldur's Gate 2 - Glanzleistungen entfernt, aber sie tragen durchaus zurm Spielspaß und zu gelegentlich heiteren Momenten bei. Allerdings gilt bei ihnen: Je eher man sie einsammelt, desto besser, denn sie werden im Level dem Charakter angepasst - und das Autoleveling ist manchmal arg skurril. Nicht grundlos sind "Respec"-Mods, welche die Überarbeitung der Fähigkeitenverteilung erlauben, sehr beliebt.
Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass die Klassen deutlich unterschiedlich stark sind. Was auch von der Skillung mit abhängt, sicherlich. So verursacht in einer Vierergruppe ein Magier mit Spezialisierung auf Elementarmagie gerne mal 70% des gesamten Gruppenschadens; während Formwandler von Gegnern bewusstlos gekloppt werden, so man sie denn diese Fähigkeiten einsetzen lässt. Zur Ehrenrettung sollte man aber sagen, dass es sehr auf die Gegner ankommt. Insbesondere große Gruppen schwacher Gegner sind für Magier leichte Beute, während sich starke Bossgegner leichter mit Kämpfern auseinander nehmen lassen. Eine gute Mischung ist durchaus von Vorteil.

Apropos: Eine Gruppe will auch ausgerüstet werden. Diesbezüglich zeigt Dragon Age ein recht durchwachsenes Bild. Insbesondere für die magisch begabten Charaktere gibt es recht wenige Ausrüstungsgegenstände, während Rüstungen und normale Waffen durchaus in durchschnittlicher Anzahl anzutreffen sind. In gewisser Weise zeigt sich hier das Gegenteil zu Baldur's Gate 2: Bestimmte sich dort die Gruppenstärke überwiegend anhand der Ausrüstung, geht Dragon Age den umgekehrten Weg und wertet die Charaktereigenschaften auf.
Von den unweigerlichen Kämpfen einmal abgesehen, wofür sind Gruppenmitglieder noch gut? Genau, für Interaktionen. Unterwegs sprechen ab und an die Begleiter miteinander, was zu teils urkomischen Situationen führt. Insbesondere sich in der Weltanschauung widersprechende Charaktere gehen spitzzüngig miteinander ins Gericht. Ist man nicht gerade unterwegs, sondern im Camp - halt stop, hier ist eine Erklärung nötig! Statt irgendeiner Art von Heim oder Festung wie in Baldur's Gate 2 oder Neverwinter Nights 2 gibt es in Dragon Age diesmal ein Camp. Dort gibt es eigentlich nichts außer Werbung für die DLCs und einem Händler, dennoch findet ein Großteil der Interaktionen mit NPCs und auch zwischen manchen NPCs dort statt. Generell ist das Camp eine ziemliche Enttäuschung. Inzwischen gibt es zum Glück Mods, die dort zumindest eine Kiste als Laderaum einfügen - etwas, das es in Dragon Age sonst nur per DLC gibt.

Die Interaktionen erfüllen auch einige Funktionen im Spiel. Einerseits haben Begleiter ihre eigenen spezifischen Quests, die nur freigeschaltet werden, wenn sie den Spielercharakter genug mögen. Andererseits werden sie auch stärker, wenn sie den Spielercharakter mögen. Zusätzlich gibt es eine Reihe möglicher Romanzen, auch gleichgeschlechtlicher Art, die aber eher an
Mass Effect als an Baldur's Gate 2 erinnern. Auch ihre Darstellung ist, im Vergleich z.B. zum
Witcher, harmlos und jugendfrei.
Wie schafft man es nun, dass die Begleiter einen mehr mögen? Einerseits indem man ihren Vorstellungen gemäß handelt (die durchaus miteinander im Konflikt stehen. Leliara und Morrigan reagieren z.B. fast immer genau gegensätzlich). Andererseits durch die richtige Auswahl an Antworten während Gespräche mit ihnen. Hauptsächlich aber durch Geschenke. Durch das Spiel hindurch finden sich einige begleiterspezifische Geschenke, die nur einem bestimmten Begleiter gegeben werden können. Andererseits aber auch ganze Kisten voller allgemeiner Geschenke ganz unterschiedlicher Art - vom besonderen Edelstein über antike Bücher bis hin zu Drachenstatuen. Jeder Charakter mag dabei eine andere Art von Geschenken am liebsten - die Magierin Wynne bevorzugt Bücher, der Zwergenberserker Oghren alkoholische Getränke.

Auch wenn die Idee mit den Geschenken etwas seltsam klingt, im Spiel funktioniert es ziemlich gut. Weniger gut ist, dass die Charaktere trotz ihrer Zwischenbemerkungen und den Interaktionen mit ihnen im Camp dennoch recht blass bleiben. Das hat mehrere Gründe. Einerseits ist sind die Begleiter, trotz teils deutlich anderer Gesinnung, ziemlich konfliktfrei. Man kann sie verärgern, sogar durch falsche Handlungen zum Bruch mit dem Hauptcharakter bringen, aber untereinander sind sie von schnippischen Bemerkungen abgesehen komplett zahm. Andererseits mögen sie Ansätze zur Größe haben, die sie aber mangels "Screentime" nicht entwicklen können. Die Ansätze sind da, und sie sind besser als in jedem anderen Titel von Bioware nach Baldur's Gate 2, an die alte Legende oder NWN 2 reichen die Begleiter aber dann doch nicht heran. Heißt wie so oft bei Dragon Age: Gut, aber weder perfekt noch legendär.
Roter Kiesel
Man könnte leicht in Stereotypen verfallen, vergleicht man Rollenspiele europäischer und amerikanischer Prägung. Gegen manche dieser Stereotypen zieht Dragon Age zu Felde - ob es sie gibt oder nicht. In erster Linie ist da die generelle Stimmung der Welt zu nennen. Die Werbekampagne bezüglich Dragon Age ist ausgelegt auf Beschreibungen wie düster, dreckig, blutig und erwachsen - und im nordamerikanischen Verständnis sind "mature themes" in erster Linie sexuelle und drogenbezogene Themen. Tatsächlich, wenn man sich Titel wie den
Witcher (polnischer Entwickler) oder die
Gothicserie (deutscher Entwickler) anschaut, so ist dort die Weltdarstellung düsterer und mehr "mature themes" präsent als in z.B.
Oblivion oder
KotOR.
Heißt nichts anderes, als dass Dragon Age stimmungsmäßig in eine bestimmte Richtung will. Was dazu führt, dass man überall Blut sieht. Läuft die Gruppe über die Überlandkarte, wird ihr Weg mit Blutstropfen nachgezeichnet. Ladebildschirme zeigen einen Dornenkranz, unter dem sich eine Blutlache bildet. Verschiedene wichtige Hinweismeldungen erscheinen in Hinweisfenstern, die von einem Blutnebel umgeben sind. Klingt zwar schaurig, ist es aber nicht - ist nur rote Soße. Könnte genausogut Ketchup sein. Um auf das obige Vorurteil zurückzukommen, ein Problem von Dragon Age ist, dass es im Vergleich zu
VtM: Bloodlines eher an Kindergeburtstag erinnert. Blutstropfen als Wegnachzeichnung auf der Landkarte machen ein Spiel weder düsterer, noch furchteinflößender. So funktioniert das nicht. Lediglich ein einziger Abschnitt im Spiel hat wirklich das Potential, aufs Gemüt zu schlagen und ist mit VtM: Bloodlines auf Augenhöhe.

Dafür sind aber die Ortschaften schön braun und dreckig gehalten. Ob das wirklich ein Fortschritt ist, lasse ich einmal dahingestellt. Dazu später mehr. Um auf die Grausamkeiten zurückzukommen, ja, Dragon Age enthält diesbezüglich schon einiges. Beispielsweise sieht die eigene Gruppe, so man nicht die dauerhafte Blutdarstellung ausgeschaltet hat, nach dem Kampf mit einer Ratte aus, als wäre sie unter einer blutversprühenden Sprinkleranlage durchgelaufen. Eine ziemlich übertriebene Darstellung, die dann doch den Finger zum Ausschaltknöppli in den Optionen bewegt. Bei den Kämpfen gegen größere Bossgegner kommt es immer wieder mal zu Spezialangriffen am Ende, wo dann z.B. ein Kämpfer an einem Oger hochspringt, ihm das Schwert in die Brust rammt und ihn so zu Fall bringt. Dabei spritzt es dann schon ein wenig. Insgesamt aber, sieht man mal von den Menüspielereien ab, ist Dragon Age nicht sonderlich blutig. Man könnte eher sagen: In der heutigen Zeit angekommen.
Witcher,
Fallout 3,
VtM Bloodlines - ja, natürlich verglichen mit den komplett sauberen und unblutigen Titeln wie
KotOR,
Mass Effect oder
Jade Empire (zufälligerweise die vorigen Titel von Bioware) ist Dragon Age tatsächlich deutlicher in der Gewaltdarstellung, aber weit davon entfernt, der Werbekampagne gerecht zu werden. Die Welt von Dragon Age ist weder besonders düster (die Art, wie die Charaktere fluchen, ist im Vergleich mit manchen der genannten Titel richtiggehend süß und nett); noch das Spiel selbst voller Gewalt. Beides muss nicht unbedingt schlecht sein. Was dieser Abschnitt nur sagen will: Dragon Age versucht sich in düsterer Atmosphäre, und setzt dabei in erster Linie Menüspielereien ein.
Wo sich aber ein wirklich düsterer Abschnitt verbirgt, ist in manchen möglichen Questlösungen und Konsequenzen. Da erlaubt Dragon Age einige sehr zweifelhafte Wege zu gehen, macht eventuell gar äußerst unangenehme Entscheidungen nötig. Was dann z.T. vom bisherigen Spielverlauf abhängt. Man hat immer wieder Auswahlmöglichkeiten, wem man glaubt, wem man hilft, mit wem man sich verbündet. Diesbezüglich erinnert Dragon Age irgendwie an
KotOR 2 - mit dem Unterschied, dass es diesmal doch Konsequenzen auch an anderen Orten nach sich zieht! Wobei hier Bioware zwar versucht hat, die möglichen Entscheidungen nicht gänzlich als schwarz und weiß darzustellen, auch wieder in Richtung düsterer Welt, Graubereiche der Moral, letztendlich gibt es aber doch eine gute und eine böse Seite, manchmal mit der zusätzlichen Zugabe, dass man für die beste Lösung beide Seiten miteinander aussöhnen muss. Mit wirklich ethischen Fragen auf höherer Ebene wird man dabei aber nicht konfrontiert. Man mag vielleicht wählen müssen, ob Mutter oder Kind stirbt, wenn man irgendwo etwas schrecklich in den Sand gesetzt hat - sich aber Fragen, wer nun der eher Gute ist (wie z.B. im
Witcher), vor dieses Problem wird man nicht gestellt.

Auch im Bereich der "mature themes" sollte man nicht mit großen Enthüllungen rechnen. Die aufreizendsten Geschöpfe sind eine gewisse Art von Dämonen, bei denen alles noch sehr knapp verdeckt ist. Bei intimen Szenen tragen alle Charaktere Unterwäsche. Und auch die Art, wie entsprechende Handlungen im Spiel selbst von den Charakteren mit Worten angegangen werden, ist im Vergleich zu Viconia in Baldur's Gate 2 richtiggehend unspektakulär. Auch der Konsum von Drogen findet sich eher in einem stereotyp öfter mal besoffenem Zwerg. Kein Vergleich zum
Witcher, oder auch nur mit
Gothic 1.
Was dieser ganze Abschnitt sagen soll, ist, dass hier völlig von der inhaltlichen Bewertung abgesehen Dragon Age bei weitem nicht so finster und "erwachsen" ist, wie es sich selbst verkauft. Sicherlich bei weitem mehr so als vorige Titel von Bioware, in der großen Rollenspielwelt hingegen nicht so. Und manche Elemente, die Dragon Age einsetzt (z.B. die Menüspielereien) wirken gar so, als würde das Spiel nach der falschen Art von Aufmerksamkeit schreien.
Professor! Lava! Heiß!
Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, besucht man in Dragon Age ganz unterschiedliche Orte. Dies geschieht wie bei
NWN 2 und Konsorten: Es gibt eine Überlandkarte, und man selbst betritt nur die interessanten Gebiete. Eine frei begehbare Welt wie in
Oblivion findet sich nicht. Bereits angeklungen ist, die Städte und Dörfer sind in Brauntönen gehalten. Durchgängig. Sie versprühen trotzdem einen gewissen Charme, aber wirklich idyllisch sind sie nicht. Zumindest diesbezüglich ist das Ziel von Dragon Age, eine düsterere Welt zu zeigen, aufgegangen.

Auch die Kleidung aller Figuren im Spiel ist in "Naturtönen" gehalten, gedämpft und bedeckt. Da sticht dann sogar ein dunkles, mattes Rot hervor. Allerdings betont Dragon Age Städte und Dörfer gerade
nicht. Man kann durchaus (abhängig von der Herkunftsgeschichte) die erste Hälfte des Spiels verbringen, ohne eine einzige klassische Stadt zu betreten - von einem von Flüchtlingen überrannten Dorf einmal abgesehen.
Da gibt es den Magierturm, Traumwelten, in der Wildnis lebende Elfenclans, alte und von der Natur zurückeroberte Ruinen, schneebedeckte Gipfel, weite unberührte Wälder (die dann sogar braungrün sind!), und eine in Höhlen gebaute Stadt der Zwerge. In der wirklich verschwenderisch Lava fließt. Wie in so ziemlich jedem anderen Rollenspiel gilt: Konvektion ist etwas, das anderen zustößt! (Konvektion ist die Übertragung von Hitze durch die Luft. Man halte einmal die Hand ein paar Zentimeter über eine Kerzenflamme für ein Beispiel.)

Auch wenn es das Design gut verbirgt, die meisten Abschnitte in Dragon Age sind "Levelschläuche". Man kann sich nicht frei in ihnen bewegen, sondern nur ziemlich eng vorgegebenen Pfaden folgen. Dies ist etwas, was sich bereits in den letzten drei Biowaretiteln zeigte. Wie mehrfach erwähnt hat Dragon Age mehr mit ihnen gemein als mit der Baldur's Gate-Serie. Lediglich die wenigen Ortschaften auf der Oberwelt sind keine Schläuche - zumindest nicht gänzlich.
Mag das Schlauchkonzept z.B. im Wald doch etwas irritieren, so funktioniert es in den Dungeons ausgesprochen gut. Es gibt sogar einige wenige, die mehrere Routen zum selben Ziel bieten. Generell gilt bei Dragon Age, dass man eine ganze Reihe von Ruinen im Spielverlauf aufsuchen muss. Jene sind, glücklicherweise, alle vollkommen unterschiedlich und abwechslungsreich. Sowohl im Design als auch im Inhalt. Ermüdungserscheinungen wie bei
Risen treten nicht auf.

Eine winzigkleine Ausnahme sind vielleicht die "Tiefen Straßen": Während man das unterirdische und von Gegnern überflutete aufgegebene Reich der Zwerge erkundet, kämpft man sich durch eine ganze Reihe von verlassenen Städten und Höhlen in Zwergenbauweise, was sich weitaus länger hinzieht als jede andere Ruine. Glücklicherweise ist hier aber zwar das Aussehen jeweils ähnlich, inhaltlich hingegen gibt es jeweils andere Herausforderungen. Man muss nicht fürchten, regelmäßig mit denselben Ringziehaufgaben konfrontiert zu werden.
Um einmal die Unterschiedlichkeit aufzuzeigen: Im Magierturm findet man verstreut die Anleitung für ein Beschwörungsritual, das man dann in einem Trainingsraum durch Nutzung der richtigen Inhalte und Schritte durchführen kann. In den Zwergenruinen findet sich hingegen mal eine von Gegnern schwer befestigte Brücke, die erobert werden will. Oder eine antike Verteidigungsanlage in Form von einer vierköpfigen Säule, die durch Beschuss des gerade aktiven Kopfes zerstört werden kann. Und selbstverständlich sind in einer von der Natur zurückeroberten Ruine die Gegner auch andere als in einer von Untoten heimgesuchten Burg.

Zudem verzichtet Dragon Age dankenswerterweise auf die klassischen Schalterrätsel nach dem Rezept, das
Risen so sehr liebt: Man muss nicht immer wieder dieselbe Höhle ablaufen um den einen richtigen Ring anzuklicken, nein. Trotz kleiner Längen in den Tiefen Straßen kann man sagen, dass die Ortschaften in Dragon Age abwechslungsreich und interessant gestaltet sind, und eine Menge hermachen. Vielleicht nicht idyllisch, aber atmosphärisch und gut geraten. Einmal vom stellenweise etwas übertriebenem Levelschlaucheinsatz abgesehen bietet Dragon Age eine Menge in Sachen Orte und Weltdesign.
... sondern auf die Technik kommt es an!
Bereits darauf eingegangen wurde, dass Dragon Age aufgrund der Optimierung für Konsolen erfreulich geringe Ansprüche an die Hardware stellt, obschon die verwendeten Texturen teils aus einer anderen Ära zu stammen scheinen. Das ist aber nur die halbe Geschichte. Eine (leider) wichtige Frage ist, wie es in Sachen Bugs bei einem neuen Titel aussieht. Diesbezüglich schneidet Dragon Age sehr gut ab.

Im Test zeigten sich nur zwei Fehler, die der Erwähnung wert sind: Einerseits wird der Geschicklichkeitsbonus bei den Waffen nicht zugerechnet, heißt Dolche und Bögen sind schwächer als eigentlich beabsichtigt. Es gibt inzwischen Mods, die dies beheben, bis Bioware selbst aktiv wird.
Andererseits ein Problem mit den Ladezeiten. Normalerweise, was ein sehr guter Aspekt von Dragon Age ist, dauern die Ladezeiten nur wenige Sekunden. Nach mehreren Stunden Spielzeit verlängern sich jene auf einige Minuten. Beendet man in so einem Fall Dragon Age und startet es neu, sind die Ladezeiten aber wieder auf die normalen Sekunden reduziert. Ein Neustart von Dragon Age geht auch erstaunlich flott von der Hand - schneller als eine Minute, einschließlich Abspeichern, Beenden, Neustarten und Neuladen. Dies lohnt sich aber nicht nur, um Zeit bei den Ladebildschirmen zu sparen; im Test traten ab und an Abstürze auf, wenn trotz der verlängerten Ladezeiten noch mehr als eine Stunde weitergespielt wurde.

Dafür bietet Dragon Age eine ganze Menge technischer Spielereien, die durchaus sehr zur Atmosphäre beitragen. Das fängt an bei Feuer, das um sich herum die Luft verwirbelt und flimmern läßt - und zwar ausnahmslos jedes größere Feuer, einschließlich z.B. von Flammenschwertern. Es geht weiter über sehr ausgefallene Gesichtsmimiken, wie man sie seit
VtM: Bloodlines nicht mehr gesehen hat und welche die inhaltlichen Schwächen der Gespräche verbergen können. Dazu kommen wirklich eindrucksvolle Zwischensequenzen in der Spielgrafik - bescheidene Texturqualität hin oder her, was Dragon Age zeigt übertrifft alle anderen Rollenspiele. Die Engine ist leistungsfähig genug, ganze Armeen und richtige Schlachten darzustellen, die aus mehr als nur zwanzig Mann bestehen.
Auch die Musik unterstreicht das Geschehen sehr gut, und weiß Emotionen zu unterstreichen. Tatsächlich bietet Dragon Age so ziemlich den ersten Barden in der Spielgeschichte, der ein Lied vorträgt, welches diesen Namen auch verdient. In der Neverwinter Night - Serie waren die Bardenbegleiter eher (positiv gemeint) Lachnummern als Sangestalente, nicht so in Dragon Age. Etwas, das gerade dadurch unglaublich ironisch wird, da Barden in der Welt von Dragon Age (allgemein Thedas genannt, was ursprünglich die Abkürzung für "The Dragon Age Setting" war. Besser nicht drüber nachdenken!) eher Agenten und Spione als Minnesänger sind.

Obschon Dragon Age Schwächen in Sachen Geschichte hat, atmosphärisch weiß es zu überzeugen. Die Orte sind mit Liebe zum Detail erschaffen, die musikalische Untermalung ist gelungen. Kleine Tiere huschen durch die Landschaften, Nebel kriecht nachts Uferbänke entlang, NPCs führen jeweils der Situation angemessene Gespräche. Das einzige, was wirklich vermisst wird, wären Tag- und Nachtwechsel. Jeder Ort hat eine vorgegebene Zeit, die sich nie ändert.
Dummerweise verbirgt sich in Dragon Age ein Übel, das bereits in den letzten Biowaretiteln wucherte. Man denke da an
KotOR, wo abhängig vom Level des Spielers die Sandmänner leichte Beute oder selbst für die mächtigsten Jedi der Galaxie eine Gefahr waren. Level Scaling. Um dem Spieler die Freiheit der "vier Orte" zu geben, setzt Dragon Age auch Level Scaling ein, sogar ziemlich aggressiv. Situationen wie in Baldur's Gate 2, dass man später zurückkommt und nun ein einstmals schwereres Gebiet im Nu niedermacht, gibt es in Dragon Age nur durch einen Trick: Das Level der Region wird (ähnlich wie in
Fallout 3) gespeichert, wenn man sie betritt. So kann man zurückkommen, wenn es einem zu schwer wird.

Bloß wohin sonst soll man gehen? Überall ist es ziemlich gleich. Glücklicherweise haben (bis auf Bossgegner) alle Widersacher ein Maximallevel, sodaß man dann doch ab circa Level 15 beginnt, die Oberhand zu gewinnen. In den Mix geworfen sind dann auch noch spezielle Gegner, die Untergrenzen haben und so für niedrigstufige Helden eine böse Überraschung sein können. Diese sind aber zumeist Gegner, denen man sich nicht zwangsläufig stellen muss - ein gutes Beispiel sind die Revenants (Wiedergänger), die ein ziemlich hohes Grundlevel haben - aber samt und sonders befreit werden müssen.
Apropos Gegner: Ein ziemlich zwiespältiger Aspekt in Dragon Age. Betrachtet man die Antagonisten, dann ergibt sich ein sehr zwiespältiges Bild. Es gibt im Grunde zwei. Einer ist eine Naturgewalt, was sehr gut funktioniert und gut umgesetzt wurde (anders als in Mass Effect, das ein ähnliches Konzept hatte, es aber völlig in den Sand setzte). Der andere aber ist etwas, was ich mittlerweile den "Bioware-Plaudertaschenverräter" nennen würde. Jeder einzelne Titel nach der Baldur's Gate-Serie folgte diesem Schema, und der in Dragon Age ist einer der noch am wenigsten interessanten Widersacher. In
Jade Empire gab es wenigstens noch eine Überraschung. Kein Vergleich zu Azar Javed (
The Witcher) oder Jon Irenicus (Baldur's Gate 2). Wie erwähnt, geschichtsmäßig ist Dragon Age nicht ganz auf der Höhe.

In Sachen Standardgegner sieht es da besser aus. Dadurch, dass man sich um völlig unterschiedliche Belange kümmern muss, stellen sich dem Spieler auch eine Vielzahl verschiedener normaler Gegner in den Weg. Insbesondere die Bossgegner haben dabei oft auch besondere Gemeinheiten in der Hinterhand, welche die Kämpfe interessant machen. Oder die Situation gebietet es, die Umgebung zu nutzen. Ganz besonders gegnerische Fernkämpfer und Magier können zu einem sehr großen Problem werden, verbleibt man in deren Schussfeld. Andererseits erlaubt es die Vogelperspektive auch, Feuerstürme in angrenzende Räume hinein zu beschwören. Gemein, aber effektiv.
Apropos Strategien, da Dragon Age sein eigenes Klassensystem einsetzt, hat Bioware den Spielablauf im Vergleich zu anderen Rollenspielen beschleunigt. Wenn man hört, dass nach einem Kampf die Gruppe wieder voll heilt und Mana schnell regeneriert, dann mag das zunächst seltsam klingen. Aber es funktioniert sehr gut. Es ist nicht so, dass unmittelbar nach jedem Kampf
sofort Leben und Mana (bzw. Ausdauer für die Spezialtalente der Kämpfer) voll da wären. Es dauert durchaus etwas. Doch nicht so lange, dass man wie in vielen anderen Rollenspielen entweder eine Weile tatenlos herumsteht (bzw. rastet), oder extrem konservativ mit Sprüchen und Fähigkeiten umgeht. Man kommt also nicht in die Situation, dass man eine Gruppe maßlos unterlegender Gegner
nicht per Feuerball wegbrät, weil man jenen später einmal brauchen könnte. Dies macht den Verlauf der Kämpfe interessanter, da man sich nicht ständig zurückhalten oder danach rasten muss.

Und auch aus einem anderen Grund, denn für die Entwickler war es so leichter, herausfordernde Kampfsituationen zu schaffen. In Sachen Gameplay hat sich diesbezüglich Dragon Age gegenüber Baldur's Gate positiv weiterentwickelt; vorbei sind die Zeiten, in denen ein Magier auf Kobolde mit dem Stab eindrosch, um keine Sprüche zu verschwenden. Auch, weil es ganz deutlich weniger Kämpfe mit eindeutig unterlegenen Angreifern gibt, welche (jetzt einmal realistisch betrachtet) die Mehrzahl der Kämpfe in Baldur's Gate und co bildeten.
Meinungskasten: In einem Punkt kann ich (elb 2000) bg unbedingt recht geben. Die Präsentation der Geschichte ist grandios. Man könnte die Zwischensequenzen genauso gut zusammen schneiden und als Film verkaufen. Mit dafür verantwortlich ist die bereits erwähnte hervorragende Synchronisation auch im Deutschen (!).
Die Story selbst ist auf den ersten Blick stark an Herr der Ringe angelehnt, zumindest die ersten 5 Stunden. Danach geht sie Gott sei Dank einen etwas anderen Weg und weiß zu gefallen. Nicht das sie so unglaublich gut wäre, dafür läuft sie zu sehr nach Schema F ab. Aber es ist ein gutes Schema F und weiß zu unterhalten.

Nun die Herkunftsgeschichten sind ein Thema für sich. Klar ist die Auswahlmöglichkeit beschränkt, doch dies ist in meinen Augen kein Manko. Ohne Beschränkung würde die ein heilloses durcheinander geben, die gegen die Logik der Welt wäre. Klar hätte die eine oder andere Herkunftsgeschichte noch einen Counterpart verdient, wie z.B. die Ausbildung eines Magiers im Turm, jedoch sind mir persönlich wenige ausgeklügelte Geschichten lieber als viele unlogische. Alleine die Tatsache, dass die Wahl der Rasse die ersten paar Stunden des Spiels komplett verändert, ist eine außergewöhnliche Tatsache und hilft ungemein, sich ins seinen Charakter und die Welt hineinzuversetzen.
[Anmerkung von bg: Die Möglichkeit, einen Hintergrund für den Charakter auswählen zu können, war immer ein großes Argument. Sogar der Untertitel des Spiels "Origins" rührt daher. Von der Auswahlmöglichkeit blieben aber lediglich Skelettreste übrig. So ists auch nichts anderes als die charakterspezifischen Einführungsquests in Sacred 2.]
Ebenfalls eine Hilfe dabei sind die Nebenquests. Zwar sind die besonders guten Nebenquests in der Unterzahl und die meisten laufen nach dem Schema "Hol, dies, Such das, Töte den da" ab, jedoch sind diese relativ gut platziert und durchweg logisch.
In einem belagerten Dorf interessiert es beispielsweise keinen, ob gerade ein hungriger Wolf durch den Wald streift. Die Bewohner wären schonmal froh wenn der Schmied wieder Waffen produziert usw. Ein gewisser Qualitätsstandart wird dabei nie unterschritten.
Nun was macht Dragon Age einzigartig? In meinen Augen ist es die Logik. Zwar ist diese nicht immer durchgehend geschlossen, dennoch ist es die Stärke von Dragon Age. Selten sieht man eine solch geschlossene und in sich logische Welt. Leider leistet sich das Spiel zu viele Schnitzer, sei es spielerisch, geschichtlich oder eben durch unverschämte DLC-Werbung.
[Anmerkung von bg: Ich bin auf diesen Aspekt absichtlich nicht näher eingegangen - ein nicht unerheblicher Teil vom Setting kam mir doch befremdlich bekannt vor. Vielleicht in sich schlüssig, aber selbst als "Hommage" geht das schon nicht mehr durch.]

Ich zumindest bin optimistisch für die Zukunft. Mit Dragon Age: Origins hat Bioware einen guten Auftakt hingelegt. Nach langer Pause wohlgemerkt. Deswegen sehe ich in Dragon Age eine Art Aufwärmübung seitens Biowares. Denn die Welt hat in meinen Augen durchaus Potential. Potential, dass Dragon Age nicht voll ausschöpfen kann und wird.
Ende gut, alles gut?
Wenn man sich nun Dragon Age anschaut, dann gibt es eine ganze Reihe von Erkenntnissen. Die wichtigste ist, die komplette (und zwar
wirklich die
komplette) Marketingkampagne zu ignorieren, denn das darin dargestellte Spiel hat mit Dragon Age nicht wirklich viel zu tun. Teile des Reviews lesen sich sicherlich als arg negativ, was Dragon Age (das reale Spiel) vielleicht gar nicht verdient hat. Dummerweise gibt es da auch "
Dragon Age: The Marketing", und hier ist es denke ich einmal auch Sinn eines Reviews, aufzuklären wo da völlig an dem Spiel vorbeigeworben wird.
In dem Sinne also: Dragon Age fühlt sich nicht wie ein PC-Titel an, Dragon Age ist nicht der geistige Nachfolger der Baldur's Gate-Serie, Dragon Age ist nicht sonderlich düster oder blutig, Dragon Age ist keine 120h lang, Dragon Age bietet kaum Auswahl bei den Herkunftsgeschichten, und so weiter und so fort.
Aber, um einen der obigen Punkte aufzugreifen, mit knapp 60h dennoch sehr umfangreich. Denn diese 60h sind kaum gestreckt. Schaut man sich
DSA 4: Drakensang an, dann hat man dort eine ganze Reihe von Mechaniken, welche die Spielzeit strecken. Nicht so in Dragon Age, und das ist gut so.

Letztendlich ist Dragon Age ein Titel, der sowohl technisch einwandfrei ist und (von unterdurchschnittlichen Texturen abgesehen) zu beeindrucken weiß in Atmosphäre und Darstellung, als auch im Rahmen der Spielmechanik sinnvolle Neuerungen zu bieten hat und trotz einiger Aussetzer (Befehlsketten für Gruppenmitglieder) sehr gut funktioniert. Heißt die technische und spielerische Seite ist im Großen und Ganzen sehr gut gelungen, sicherlich Biowares Meisterstück der letzten Jahre.
Inhaltlich sieht die Sache etwas anders aus. Die Geschichte ist zwar sehr gut dargestellt, aber selbst zu sehr in Stereotypen verfangen und von der Erzählstruktur im Spiel selbst sabotiert. Die Begleiter werden absolut klasse dargestellt, auch inhaltlich das Beste, was Bioware seit langem zu bieten hat. Aber ganz weit davon entfernt, an die Baldur's Gate - Reihe heranzureichen, selbst im Vergleich zu
Neverwinter Nights 2 wird hier der Kürzere gezogen.
Generell ist
NWN 2 ein guter Vergleichspunkt zu Dragon Age, weil sich beide Titel doch sehr ähneln. Dabei ist Dragon Age auf der technischen Seite deutlich überlegen (außer an den Stellen, wo der Konsoleport offensichtlich wird), Neverwinter Nights 2 hingegen auf der inhaltlichen.

Ich denke, letztendlich wird Dragon Age den allermeisten Spielern großen Spaß machen, dafür sorgt schon die sehr gute Technik, Atmosphäre und Darstellung. Auch die Möglichkeit, sich auch ohne Party durchschlagen zu können, wird auf manche Spieler zusätzlichen Reiz ausüben. Etwas getrübt wird dieser Eindruck in erster Linie durch die wirklich unverschämte DLC-Werbung im Spiel, die mehrfach zu Momenten führt, wo man sich wirklich nur fragt "was zur Hölle soll jetzt das?!"
Aber: Dies macht keine Legende aus. Dragon Age unterhält sehr gut, aber das ist nicht alles. Legenden sind Spiele, von denen man auch dann noch spricht, wenn ihre Technik längst überholt ist, wenn sie selbst noch nachfolgende Generationen von Spielern zu begeistern wissen, oder auch die selbst nach einem Jahrzehnt noch als große inhaltliche Vorbilder genannt werden. Und das sind inhaltliche Werte. Genau dort aber wurde geschludert. Jetzt nicht so weit, dass man sich in Grauen abwenden würde; jedoch ist keiner der inhaltlichen Aspekte in irgendeiner Form herausragend. Gut, ja, auf alle Fälle und ohne Frage! Aber nicht legendär. Man kann das sehr schön im Vergleich zu
NWN 2 sehen: Das hat sogar eine ziemlich ähnliche Geschichte, erzählt sie jedoch um Welten besser. Doch schon NWN 2 ist selbst keine Legende. Hier ist natürlich Darstellung von Erzählung zu unterscheiden. Verrät man fast alles am Anfang in tollen Zwischensequenzen, hat man eine tolle Darstellung, aber keine gute Erzählung. Dragon Age hat eine tolle Darstellung, die Erzählstruktur aber läßt zu wünschen übrig. Mal von der inhaltlichen Qualität der Erzählung und Darstellung einmal ganz abgesehen.
Modding ist möglich - ein Toolset zu Dragon Age wurde veröffentlicht, und die Community ist auch schon fleißig dabei, an Dragon Age zu schrauben (ein Fix bezüglich der Wirkung von Geschicklichkeit wie auch eine Lagertruhe im Camp wurden bereits erwähnt, ebenso "Respec"-Mods).

Die wirkliche Frage zur Bewertung ist daher mehr, ob die aufdringliche DLC-Werbung einfließen sollte. So formuliert: Dragon Age ist sehr gut, obschon die Werbung ein deutlicher Schönheitsfehler ist. Sofern man sie zu ignorieren vermag (was nicht ganz so einfach ist, denn sie ist sehr aufdringlich), stört sie den Rest des Spiels aber nicht. Daher wird Gnade vor Recht ergehen.
In dem Sinne:
Verkaufsversion: Empfehlenswert (4 von 5)
Potential: Empfehlenswert (4 von 5)