Mit Pferd und Schwert ins Mittelalter
Gleich eines vorweg. Wer hier ein normales Rollenspiel erwartet, den muss ich hier enttäuschen. Mount & Blade distanziert sich deutlich von den Rollenspiel Kollegen und setzt auf eine realistische Mittelalterliche Welt. Elfen & Co. Müssen draußen bleiben. Doch kann dieses Szenario begeistern? Wir werden sehen…
Wenn ich groß bin, möchte ich Ritter werden – Die Charakterentwicklung
Mount & Blade zeigt sich hinsichtlich der Charakterentwicklung äußerst klassisch. Zu Beginn müssen Fragen beantwortet werden, die über Anfangsattribute, Anfangsskills und Heimatland entscheiden. Vom strahlenden Ritter bis zum fiesen Bandit ist dabei alles möglich. Eine festgelegte Gesinnung gibt es dabei keine.
In Gefechten und bei Questabschlüssen gibt es Erfahrungspunkte zu ergattern. Hat man genügend gesammelt steigt man automatisch ein Level auf und kann Attributs-, Skills- und Waffenpunkte (Waffenpunkte definieren eure Versiertheit mit den einzelnen Waffenarten) verteilen. Ein offizielles Maximallevel x gibt es nicht. Ab ca. lvl 25 geht es aber kaum noch weiter. Gerüchten zufolge soll ab Level 63 jedoch endgültig Schluss sein. Eure Helden levelt ihr nach dem gleichen Prinzip auf.
Mittelalterliche Grafik – Die Technik
Wer hier ein Crysis erwartet wird bitter enttäuscht. Die Technik ist alles andere als aktuell. Die Figuren sind leicht kantig, die Gesichter leicht matschig und die Landschaft ist detailarm, auf der Landkarte wie im Gefechtmodus. Selbst auf höchster Detailstufe sieht das Spiel mehrere Jahre alt aus. Trotzdem gibt es hier etwas Positives zu berichten. Das Spiel läuft selbst auf älteren Rechnern und überzeugt mit einer stabilen Framerate selbst bei Gefechten mit 100 Teilnehmern bei eingeschaltetem Ragdoll. Vorbildlich: Alle Berechnungen zum Ragdoll laufen auf einem eventuell vorhandenen zweiten Kern ab was die Performance deutlich verbessert.
Der Sound ist besser gelungen. Die Musik ist stimmig, die Sounds für trampelnde Pferde und kreuzende Schwerter sind jedoch zu hell. Etwas mehr Bass und Wucht hätte den Sounds gut getan. Die Sprachausgabe ist zwar komplett englisch, die Stimmen sind jedoch gut gewählt.
Die Übersetzung ins Deutsche ist jedoch schlecht. Wer in Menüs „return“ mit „zurückgeben“ übersetzt gehört geohrfeigt. Anscheinend wurde hier kräftig die Google Übersetzung bemüht. Wenigstens die Waffen und Rüstungen wurden richtig übersetzt. Ebenfalls ärgerlich, manchmal wird bei einer Entscheidung dieselbe Antwort zweimal gezeigt. So kann es passieren, dass man versehentlich das falsche anklickt. In der Englischen Version passiert dies nicht.

Die Maue Technik von M&B. 2009 eigentlich ausgestorben
GTA meets Stronghold meets RPG – Das Gameplay
Nach der Charaktererstellung werdet ihr auf die Weltkarte befördert. Von dort aus steuert ihr euren Charakter durch die Welt, steuert Siedlungen oder Burgen an, fangt Banditen ab oder trainiert auf den verstreuten Übungsplätzen euch und eure Truppen. In den Dörfern könnt ihr Rekruten anwerben die ihr durch im Kampf erworbene Erfahrung aufleveln könnt. Dabei könnt ihr eure Truppen meist in eine bestimmte Richtung spezialisieren. Je nach Fraktion bekommt ihr verschiedene Truppentypen. Die östlich angehauchten Kergiten setzten beispielsweise auf eine starke Kavallerie, vornehmlich berittene Bogenschützen, während das Königreich der Rhodoks eher auf Infanterie und Armbrustschützen stützt. Über Sieg oder Niederlage entscheiden ein guter Mix aus Kavallerie, Fernkampf und Infanterie sowie die Qualität der Einheiten. Ein Ritter beispielsweise knüppelt 10 Bauern mühelos nieder während ein Rekrut in arge Bedrängnis geraten kann.

Der Kartenbildschirm von M&B. Schlank und einfach!
Neben normalen Söldner gibt es auch spezielle Helden. Diese können genau wie ihr nicht getötet werden, sondern werden nur bewusstlos geschlagen. Dafür müsst ihr sie selbst aufleveln und Ausrüsten. Da bestimmte Fähigkeiten dem ganzen Trupp zu gute kommen wie zb. Aufklärung solltet ihr auch hier eure Truppe mixen und jeden zu einem Spezialisten machen. Äußerst positiv fallt auf, dass eure Helden unterschiedliche Persönlichkeiten haben und untereinander agieren. Das Bauernmädchen gerät beispielsweise des Öfteren mit der rauen Barbarin aneinander während der Edle Ritter und der gute Soldat sich bestens verstehen. Des Öfteren geben die Helden eine Meinung über ein Ereignisse wie zb. eine fehlgeschlagene Quest ab oder geraten in einen Streit, den es dann zu schlichten gilt. Dies tun sie allerdings fast schon zu selten.
Ein wesentliches Spielelement ist der Kampf. Das Schlachtfeld berechnet sie dabei aus eurer aktuellen Position auf der Landkarte. Seid ihr beispielsweise im Wald befinden sich dementsprechend viele Bäume auf dem Schlachtfeld. Eine Art Radarkarte könnt ihr mithilfe von backspace aufrufen. Dort werden nicht nur eure Einheiten und die Feinde angezeigt ihr könnt eure Truppen auch positionieren und befehle geben. Dies könnt ihr jedoch auch über die F-Tasten während des Gefechts machen. Über die Nummerntasten könnt ihr die einzelnen Truppentypen durchschalten.
Den Schwierigkeitsgrad der Schlachten könnt ihr individuell einstellen. Neben Anzahl und Intelligenz der Gegner könnt ihr auch den Schaden durch Feinde oder Friendly Fire einstellen. Die Ki verhält sich dabei zwiespältig. Infanterie beispielsweise könnt ihr mit einem Pferd locker ausspielen, da sie euch einfach stupide folgt. Berittene Bogenschützen hingegen umkreisen euch und versuchen auf abstand zu bleiben. Trotzden könnt ihr zwar eine leichte Übermacht durch euer Können locker besiegen, bei zu vielen Gegner habt ihr jedoch auch hart zu kämpfen und zieht meist den Kürzeren.
Das Kampfsystem ist ebenfalls eine Besonderheit. Ihr könnt seitliche und horizontale Hiebe ausführen, sowie zustechen. Dabei bestimmt eure Bewegung mit der Maus die Angriffsrichtung. Bewegt ihr eure Maus nach links während ihr die Angriffstaste drückt führt ihr euer Schwert von Links nach rechts. Ähnlich verhält es sich mit dem Blocken .Die möglichen Angriffsrichtung hängt dabei von der gewählten Waffe ab. Während ihr mit einer Lanze nur zustechen könnt erlaubt euch eine Axt nur Hiebe, Schwerter können in jede Richtung geführt werden etc. Wem das zu kompliziert ist kann auch eine automatische Steuerung wählen. Das Blocken wird dadurch erheblich leichter. Hat man die Steuerung erstmal verinnerlicht kann man jedoch äußerst präzise spielen.
Ein Ausschnit aus einem Kampf (GE 2.5)
In Mount & Blade gibt es zahlreiche Möglichkeiten für euren Recken um Ruhm und ehre zu erlangen. Ihr könnt an Turnieren Teilnehmen, Landsknecht oder sogar Vasall werden, Burgen belagern, an einem Feldzug mitwirken oder alleine losziehen. Ihr könnt aber auch Karawanen und Bauern überfallen oder euch Unabhängig erklären. Seid euch jedoch der Konsequenzen bewusst. Belagert ihr eine Burg und nehmt sie ein müsst ihr mit einem heftigen Gegenschlag rechnen, erklärt ihr euch für Unabhängig zieht ihr den Zorn eures Lehnsherrn auf euch. Ihr müsst euch nicht als Vasall verpflichten und könnt auf eigene Faust Claradia durchstreifen nur bekommt ihr so keinen Schutz durch eines der Königreiche. Die Konsequenzen werden knallhart durchgezogen und sind nur mit viel mühe rückgängig zu machen. Das wiegt gleich doppelt schwer wenn ihr im realistischen Modus spielt, denn dort fällt die Option Ohne Speichern beenden weg was bedeutet das ihr keine Entscheidung rückgängig machen könnt!
Es gibt zwar keine vorgegebene Story bis auf die paar Infohappen am Anfang des Spiels bei der Charaktererstellung. Die Story wird durch euch praktisch selbst erschaffen. Das verleiht dem spiel ein unglaublichen Schub an Freiheit. Ihr wollt die Quest nicht machen? Braucht ihr nicht aber das wird Konsequenzen haben in Form zu einem schlechterem Verhältnis zu der jeweiligen Person/Fraktion. Ihr wollt dem König nicht in die Schlacht folgen? Müsst ihr nicht. Ihr wollt dieses Dorf ausplündern? Nur zu. Durch den Wegfall von einer Stoyline bekommt das Spiel einen besonderen Pfiff. Auffallen tut es einem komischerweise kaum.
Mittelalter wie ich es will – Die Modbarkeit
Mount & Blade zeigt sich äußerst Modfreundlich. Über verschiedene Module, die von Usern erzeugt werden lässt sich das Spiel erweitern und umgestalten. Auch gibt es bereits Mods die sich der Grafik und dem Sound annehmen und extrem verbessern, sodass die Kritikpunkte am Spiel bezüglich fast schon ausgemerzt sind. Neue Waffen, Rüstungen und Fraktionen sind genauso vorhanden wie umfangreiche Mods die euch in völlig andere Welten gehen lassen. Die Mod Vielfalt lässt sich gut mit der von Oblivion vergleichen.
Mount & Blade mit Graphical Enhancment 2.5. Eine Großartige Verbesserung gegenüber dem Vanilla M&B
Das Fazit
Mount & Blade ist erfrischend anders und weicht von den allgemeinen Rollenspielnormen ab. Trotzdem merkt man dem Spiel deutlich an das es von einem Independence Entwickler stammt. Dem Spielprinzip fehlt noch ein letzter Schliff und die Technik lässt noch viel Luft nach oben. Allerdings lässt sich dem Spiel ein gewisser Charme nicht absprechen und es fesselt einen locker für mehrere Tage wenn nicht sogar Wochen. Wer sich unsicher wegen der Technik ist kann sich eine Demo runterladen in der man eine Charakter bis level 7 spielen kann. Nach eingabe eines Lizenzschlüssels kann man dann weiterspielen.
Daraus ergibt sich folgende Wertung:
Verkaufsversion: Für Genrefreunde (3 von 5)
Potential: Empfehlenswert (4 von 5)