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Two Worlds: Review
Zwischen zwei Welten
Two Worlds ist leider ein Titel, über den man gar nicht soviele Worte verlieren müßte, aber könnte. Im großen und ganzen ist Two Worlds quasi der mittlere Bruder zwischen Witcher auf der einen und Gothic 3 auf der anderen Seite. Vom Konzept her heißt das Steuerung aus der dritten Person, vorgegebener Hauptcharakter (dessen Aussehen bei Two Worlds allerdings leicht modifiziert werden kann), Vertonung sämtlicher Dialoge, und eine riesige, frei begehbare Welt.

Dabei bietet Two Worlds eine wirklich schön gestaltete, abwechslungsreiche Welt, mit verschiedenen einzigartigen Features - wie zum Beispiel Geister getöteter Gegner, die Nachts dunkle Wälder unsicher machen. Zwei Adelshäuser, die gegeneinander kämpfen, und die der Spieler unterstützen kann. Verschiedene Gilden, denen man helfen kann - Magier, Nekromanten, Diebe, Händler, Söldner - allerdings keine echte Mitgliedschaft, bestenfalls Freundschaft. Eine teils sehr ungewöhnliche Musikuntermalung. Zauber funktionieren mit "Karten", die durch "Unterkarten" aufgewertet werden. Schließlich noch das Feature, gleichartige Gegenstände zu kombinieren.

Halbgar
Problem ist, Two Worlds steckt auch qualitativ zwischen The Witcher und Gothic 3. Man kann Two Worlds so beschreiben: Es funktioniert, aber leider nicht richtig. Die Hauptgeschichte ist klischeebeladen und kurz, die Atmosphäre leidet durch die geringe Anzahl an unterschiedlichen Gesichtern und dem Fehlen von Frauen. Die Kombinierungsmöglichkeit von gleichartigen Gegenständen läßt den Charakter blitzartig übermächtig werden. Die freie Welt wurde durch ein sehr auffälliges Scalingsystem erkauft - so tragen Banditen anfangs Lederrüstungen, später extrem teure Plattenrüstungen (Erinnerungen an Oblivion werden wach). Ebenso muß man für das Lernen neuer Fähigkeiten anfangs 500 Gold ausgeben, später für dieselben 10.000 Gold. Das Zauberkartensystem hat dazu geführt, daß es nur lächerliche drei Zauberslots gibt (Magier zu spielen ist entsprechend extrem nervig, weil alle paar Minuten Zauber in den Slots gewechselt werden müssen). Ebenso artet das Kampfsystem in stupide Klickorgien aus, weil es nur eine Angriffsform gibt, und blocken automatisch geschieht.

Vieles hingegen ist auch gelungen: Man hat eine schön gestaltete Welt, einige richtig gut gemachte Quests darin - so findet sich zum Beispiel eine verlassene Burg, und man soll herausfinden, was passiert ist, wo einige Überraschungen auf den Spieler warten. Oder ein Zauberer, der sich selbst gespalten hat - und nun versuchen beide Ausgaben seiner selbst, die jeweils andere loszuwerden und der Spieler muß entscheiden, wie er damit umgeht. Oder ein etwas irrer Nekromant, der mithilfe des Spielers Zauber gegen den tyrannischen Herrscher erstellen will - und dabei so manche kleinere und größere Seltsamkeit auslöst. Die meisten Aufträge sind, ebenso wie die Welt, sehr liebevoll gestaltet.
Da ich gerade dabei bin: Viele Gegenden sind wunderschön, zudem ist die Welt komplett ohne Ladezonen begehbar, und das bei weitaus besserer Perfomance als Gothic 3. Das Alchemiesystem ist innovativ, es gibt eine unglaubliche Anzahl extrem gut gestalteter Gegenstände.

Problem bleibt aber, daß das Spiel selbst an allen Ecken und Enden krankt. Nicht katastrophal, aber genug Mückenstiche summieren sich. Auch nach mehreren Patches ist das Balancing nicht in den Griff bekommen worden. Der Nervfaktor für Magier ist weiterhin inakzeptabel hoch. Immerhin: Es wurden nachträglich Frauen eingefügt, ebenso wurden die Gesichtsgrafiken deutlich überarbeitet. Allerdings wurden die spielerischen Probleme nur zum Teil beseitigt - ein paar sehr ärgerliche Bugs, wie durch Tiere getötete Quest-NPCs gehören der Vergangenheit an, der Rest aber?


Problem der Bewertung
Während Oblivion sich durch seine Zentrierung auf Instant-Gratification-Kiddies seine Wertung verhagelte, ist es bei Two Worlds die Undurchdachtheit. Manche Dinge, wie die Geschichte, sind Durchschnittskost, nicht gut, nicht schlecht. Andere hingegen sind einfach nicht zuende gedacht, sei es das Kampfsystem, das Zauberkartensystem, oder die Gegenstandskombinierung. Man hat eine schöne Welt, mit schönen Gegenständen und schöner Musik, aber mit spielerischen Mängeln und bei weitem nicht der Tiefe oder Genialität eines Witchers. Gleichwohl ist Two Worlds aber auch um mindestens zwei Welten besser als Gothic 3.

Letztendlich können alle, die Rollenspiele aus der dritten Person und freie Welten mögen, durchaus großen Gefallen an Two Worlds finden - wenn sie dessen spielerischen Macken übersehen, die eine höhere Wertung verhindern. Allerdings waren die Fehler in der Verkaufsversion nicht ohne - so konnte das Spiel schon nach fünfzehn Minuten mit dem Abspann vorbei sein, wenn ein Bär zur falschen Zeit den falschen Quest-NPC umhaute. In dem Sinne mit Patch für Genrefreunde geeignet.

Die einzige Frage, die ich mir Stelle ist bloß die, in welches Genre Two Worlds genau fällt. Der einzige Titel, der wirklich mit Two Worlds vergleichbar ist, ist das Unspiel Gothic 3 - schwache Geschichtsbindung, freie Welt, letztendlich in der Verantwortung des Spielers, jene Freiheit zu nutzen, und so weiter - bloß wie erwähnt funktioniert diesbezüglich Two Worlds wesentlich besser. Nicht nur auf technischer Hinsicht, auch in Sachen Nebenquests, Questdesigns, Atmosphäre und vielem mehr ist Two Worlds besser. Aber an andere Titel reicht es eben doch noch nicht ganz heran. Daran ändert auch der Multiplayermodus nichts, der nicht in den Test einfloß.

Das Potential ist ein bißchen problematisch - die meisten derben Schnitzer können, ordentliche Moddingtools und Einsicht / Bereitschaft der Entwickler vorausgesetzt, ziemlich schnell beseitigt werden. Bloß erscheint mir beides heute, gut einem Jahr nach Veröffentlichung, unwahrscheinlich. Gerade das ist tragisch, denn wären Welt und Aufträge um ein ordentliches Gegnerbalancing ergänzt worden, statt noch stärker auf Level Scaling zurückzugreifen, dann hätte es höchstwahrscheinlich eine höhere Wertung gegeben. Allerdings sollte auch nicht unerwähnt bleiben, daß ein gepatchtes Two Worlds es problemlos mit Gothic 2 aufnehmen kann - lediglich ein Fünkchen verhinderte eine Einstufung als "Potential: Empfehlenswert". In dem Sinne:

Verkaufsversion: Budgetkandidat (2 von 5)
Potential: Für Genrefreunde (3 von 5)
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