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Dungeon Siege 2 - Review
Bildschirmschoner interaktiv?

Wie die Zahl im Titel andeutet ist "Dungeon Siege 2" der zweite Teil einer Reihe - wobei der erste Teil oft liebevoll "schönster" oder weniger liebevoll "teuerster" Bildschwirmschoner der Welt genannt worden war. Warum? Nun, zuerst einmal, was ist Dungeon Siege 1 und 2? Im Grunde Hack&Slash-Spiele in der Tradition von Diablo, heißt man steuert aus der Vogelperspektive seinen Recken, klickt auf Gegner, sieht zu wie sie sterben und erfreut sich an Gold, Erfahrungspunkten und Gegenständen. Das macht den Hauptteil des Spiels aus - keine komplizierten Geschichten, nicht gerade dialoglastig, dafür viele Gegner.

In Teil 1 nun war es so, daß die Entwicklung des Charakters völlig automatisch ablief - das hat sich in zwei etwas geändert. Weiterhin steigt der Charakter in den Fähigkeiten auf, die er aktiv nutzt. Heißt durch den Einsatz von Feuerzaubern steigt Kampfmagie, durch den Einsatz von Knüppeln Nahkampf. Attribute steigen automatisch - Intelligenz durch Zauberei, Geschicklichkeit durch Bogenschießübungen, et cetera. Neu und im Unterschied zu 1 ist ein "Skilltree" hinzugekommen. Dieser erlaubt einerseits Spezialisierungen, z.B. Zweiwaffenkampf, oder auch Spezialangriffe wie Flammenringe.

Zwar ist dies eine große Verbesserung im Vergleich zu Teil 1, allerdings sind die Möglichkeiten der Charakterentwicklung dennoch sehr eingeschränkt.

Baumliebhaber
Dungeon Siege 2 beginnt mit der Charaktererschaffung - da ein "Learning by Doing"-System zum Einsatz kommt, wählt man keine Klasse aus (wie sonst bei Diabloerben üblich), sondern lediglich Rasse, Aussehen und Geschlecht. Da gibt es die zu erwartenden Elfen und Menschen, aber ebenso eher die eher ungewöhnlichen Optionen Halbriesen und Dryaden. Allerdings wie üblich sollte man nicht mit spielerischen Änderungen rechnen - das erste Kapitel spielt zwar größtenteils auf der Insel der Dryaden, aber im Spiel wird nicht einmal davon Notiz genommen, ob der Spieler nun Dryade oder Halbriese ist. So unterschiedlich ist damit Dungeon Siege 2 von typischen Diabloerben also nicht.

Im ersten Kapitel zeigt DS2 auch, was in ihm steckt: Die Grafik ist ein Augenschmaus, die Musik ist vielleicht nicht der beste, aber wohl der passenste je von Jeremy Soule komponierte Soundtrack. Sämtliche Dialoge sind vertont, es gibt kinoartige Zwischensequenzen. Die Stadt der Dryaden dürfte zu den einmaligsten je in Rollenspielen zu besuchenden Städten gehören - in den Baumkronen gebaut, Flaschenzüge fahren zwischen Baumkronen umher, Kriegsgefangene reparieren die Bödenbretter, und tief unter dem Spieler irgendwo der Boden. DS2 nutzt die 3D-Grafik voll aus, ohne dabei zu verwirren.

Wohin des Weges?
Apropos Kriegsgefangener: So startet auch der Spielercharakter, nicht, daß er es sonderlich lange bliebe. Der Wechsel auf die "gute Seite" findet sehr schnell statt. Geschichtlich, muß man leider sagen, ragt DS2 wirklich nicht hervor. Solide Durchschnittskost. Aus der Prämisse hätte man mehr herausholen können.

Immerhin führt die Geschichte durch viele unterschiedliche Gegenden, vom Anfangsjungle über Eisgebiete bis hin zu Wüstenstädten. Allerdings muß der Spielercharakter nicht allein bleiben: Eine Reihe von Begleitern kann den Spieler ebenso zur Seite stehen wie "Haustiere", die (gefüttert mit magischen Gegenständen) zu formidablen Mitstreitern werden. Vom Esel bis zum Schoßdrachen ist da alles dabei, ebenso wie es bei den Charakteren von der abenteuerlustigen Dryade über einen psychotischen Halbriesen bis hin zu einem hellsehenden Elfen einiges dabei.

Immer wieder kommentieren die Begleiter auch die Reise, oder unterhalten sich miteinander. Auch haben sie oft eigene Spezialaufträge, die man nur bekommt und erfüllen kann, wenn man von ihnen begleitet wird. Das läßt sie schon lebendig wirken, Problem ist nur: DS2 stoppt bei Unterhaltungen nicht die Zeit, und Unterhaltungen werden abgebrochen, sobald der Spieler angegriffen wird. Heißt die meisten Gespräche werden vorzeitig beendet - eine Schande.

Die Steuerung geht leicht von der Hand, wie bei solchen Spielen üblich. Linke Maustaste gehen, rechts angreifen, diverse Tastaturbefehle für Heiltränke und Spezialangriffe und Formationen. Dummerweise nur ist die Menükarte nur nutzlos - eine kleine Schmälerung.

Im Spiel selbst kommt wieder der "Bildschirmschoneraspekt" vor, wenn auch abgeschwächt. Es ist meist nicht nötig, die Angriffsart zu wechseln, oder sich groß um die Party zu kümmern. Auch gibt es die Möglichkeit, Stärkungs- und Beschwörungszauber automatisch zu erneuern - es gibt daher weniger Kleinigkeiten, um die man sich kümmern muß, als sonst bei Diabloerben notwendig.

Was zu tun?
Dafür aber ist die Welt voller Geheimnisse, wie z.B. hinter Wasserfällen verborgener Höhlen, durch Statuen zu entdeckende Kisten, und einer ganzen Reihe von Aufträgen. Diese sind oft erstaunlich hoher Qualität und abwechslungsreich - sei es, einen durch Rätsel versteckten Schatz zu finden, oder durch Tauschgeschäfte zu einem Andenken zu gelangen. Oft erstrecken sich auch Aufträge über mehrere Kapitel. So findet man durch das ganze erste Kapitel hindurch Geister - mit ihnen zu sprechen lernt man jedoch erst im zweiten Kapitel.

Allerdings ist die Welt von DS2 sehr "pfadartig" gestaltet, heißt es gibt meist einen Weg, um den herum ein bißchen Raum ist, manchmal auch hier und da eine Höhle oder Ruine. Man läuft nicht gefahr, sich zu verlaufen - hat aber auch keine wirkliche Freiheit. Was sicherlich auch zum Teil von Vorteil ist, denn wie erwähnt ist die Übersichtskarte vollkommen nutzlos, ungefähr so als würde man einem Austauschschüler zum Aufenthaltsort seiner Gastfamilie sagen "irgendwo in Deutschland!".

Stärken und Schwächen, Fazit
Positiv anrechnen muß man DS2 die liebevoll gestaltete Welt voller Atmosphäre, hingegen ist das Gameplay ist eher konventionell und vielleicht ein bißchen zu "entspannend". Nicht mehr so extrem wie im Vorgänger, aber immer noch einen Tick zu nichtinteraktiv. Dafür lockt die diablosche Sammelleidenschaft mit unzähligen magischen Gegenständen, Uniques und Sets, unterschiedlichste Begleiter und verschiedene Spezialisierungsmöglichkeiten.

Ich glaube, ein bißchen mehr in die Hände des Spielers zu legen hätte DS2 gutgetan. Letztendlich ist es wie quasi alle "Hack&Slashs" nur etwas für Genrefreunde, aber mit ein bißchen mehr Rollenspielmöglichkeiten und Charakterentwicklungsmöglichkeiten wäre hier, denke ich, mehr dringewesen. Aber immerhin, sofern man das Genre mag, macht man mit DS2 auch nichts verkehrt - es macht viel mehr richtig als falsch. Oh aber die Explosionseffekte (siehe Bild) sehen grausam schlecht aus. Was aber, zum Glück, eher die Ausnahme ist - und sie eher selten vorkommen.

Bezüglich Potential ist zu sagen, daß es eine Reihe von Mods gibt, die das Spielerlebnis verbessern können (z.B. besseres Inventar), die aber nicht existentiell das Spiel ändern.

Eine Warnung jedoch: Anders als der diabolische Urahn soll der Multiplayermodus bei DS2 nicht sehr gut besucht und ziemlich enttäuschend sein. Dafür ist der Single Player-Modus mit der liebevoll gestalteten Kampagne umso überragender.

Und als letztes Wort noch ein Hinweis, in die Wertung fließt die Verpackung nicht mit ein, und das war Dungeon Siege 2s Glück - denn jene ist unter aller Sau. Vier CDs in eine DVD-Hülle geworfen, davon eine in einer Papierhülle reingeklemmt... eine Schande, ehrlich.

Verkaufsversion: Für Genrefreunde (3 von 3)
Potential: Für Genrefreunde (3 von 3)
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